Archive für April 2008

Fotos sind da!

Auf der Foto-Seite von Britta’s Planet gibt’s jetzt endlich alle Fotos aus Indien, einschließlich Hetali’s Hochzeit, dem Kerala Class Trip, meiner Farewell-Party und dem zweiten Teil der Indien Reise. (Passwort weiterhin annett)

Ich bin in der Zwischenzeit wieder in Mannheim angekommen und fühle mich jetzt, nach einem ersten kurzen Reverse Cultural Shock auch wieder wie eine “echte” deutsche Studentin, wenn ich morgens mit dem Fahrrad zur Uni radele.

Freue mich euch alle bald auch wieder persönlich zu treffen.

Ich packe meinen Koffer und nehme mit…

Ich packe meinen Koffer und nehme mit…

-          die Hoffnung, dass Freundschaften 7000 km Distanz überstehen
-          eine große Portion Gelassenheit, die ich dringend nötig hatte
-          das Wissen, dass ich nicht im Zentrum des Geschehens stehe und ich „weiß, dass ich nichts weiß“
-          ja, auch Schulbücher und frisches Business-Wissen
-          die schlechte Angewohnheit, zu spät zu kommen, die ich mir schnellsten abgewöhnen muss…
-          ein paar Worte Hindi und 2 CDs mit Hindi Songs
-          viele kleine Erinnerungen an die in fast jeder Hinsicht wahrscheinlich intensivsten zwei Monate meines Lebens
 

Gemischte Eindrücke einer langen Reise

Nach 4 langen Wochen geht meine All-India Reise zuende. Sie hat mich von Baroda und Diu über Mumbai nach Rajasthan (Udaipur, Jodhpur, Jaisalmer, Jaipur), Agra und Khajuraho bis nach Delhi geführt. Auf dem Weg habe ich einige der beeindruckendsten Tempel und Paläste gesehen, die mir bisher zu Augen gekommen sind. Das Taj Mahal ist wirklich so schön und beeindruckend wie man es sich vorstellt. Bombay ist eine wirklich coole Metropole. Aber neben den vielen schönen Eindrücken der Reise bleibt auch ein bittersüßer Beigeschmack von einem „anderen Indien“ als dem, was ich in meinen vorigen zwei Monaten in Chennai erlebt habe. 

Zum einen wirst du als Tourist einfach ganz anders behandelt – allein aufgrund deiner Hautfarbe scheint jeder zu versuchen, Geld mit dir zu verdienen, dir den doppelten Preis abzuknöpfen, egal ob es um eine Taxifahrt oder eine Flasche Wasser geht. Selbst die indische Regierung nimmt von dir den zehnfachen Eintrittspreis wie von Indern. Natürlich ist das meistens immer noch günstiger als in Europa, aber du beginnst dich wie ein laufender Geldautomat zu fühlen, zu dem Menschen nur freundlich sind, so lange er Münzen und Scheine auswirft…  Dieses Gefühl hatte ich in Chennai nie, und ich bin auf der einen Seite froh zu wissen, dass dieses Verhalten nur typisch für die Touristenzentren Indiens ist, auf der anderen Seite jedoch auch traurig weil es sicherlich bei den meisten Indien-Besuchern einen falschen Eindruck vom Land hinterlässt. 

Zum anderen habe ich außerhalb der sicheren Oase des IIT Campus natürlich verstärkt die unangenehmen Seiten Indiens miterlebt:
-          Stromausfälle (damit jeweils verbunden unterbrochene Kühlketten!),
-          Dreck (Kuh- und Hundemist in allen Straßen),
-          unhygienische Zustände (Kakerlaken im Zugabteil, Kinder, die am Straßenrand ihre Exkremente hinterlassen, ständig dreckige Toiletten),
-          unsauberes Essen (3 Tage im Bett gelegen in Jaisalmer),
-          Lärm (Hupen, Hundebellen, laute Autorikschas bis spät in die Nacht),
-          bettelnde Kinder, die nicht zur Schule gehen und und und…  

Schon früher habe ich bemerkt, dass Indien noch einen langen Weg gehen muss, bis der an meiner Uni gehegte Traum der Wirtschaftsmacht wahr wird. Meine Reise hat diesen Eindruck sicher verstärkt, und ich denke ohne das Wissen über die Fähigkeiten und Stärken der Inder und das große Potenzial des Landes, was mir in Chennai vermittelt wurde, würde ich Indien verlassen und denken, ich hätte ein hoffnungsloses Entwicklungsland besucht. Ich bin froh, dass ich gelernt habe, die Stärken Indiens anzuerkennen und die aktuellen Entwicklungen zu schätzen. 

Ich glaube jetzt zu verstehen, warum viele Menschen auf Länder wie Indien herabschauen und ich sehe es nach all den positiven Erfahrungen der letzten Monate ein wenig als meine Pflicht an, Botschafterin des aufstrebenden Indiens zu sein, des Lichts am Ende eines Tunnels von Armut und Rückständigkeit.

Dennoch haben die Eindrücke der letzten Wochen auf Reisen auch dazu geführt, dass ich inzwischen sicher bin, dass manche Dinge in Indien nie zu ändern sind und ein hoher westlicher Lebensstandard in den nächsten zwanzig Jahren sicherlich ein Privileg der Mittel- und Oberschicht sein wird. Die Tatsache, dass diese Gruppe in den nächsten 10 Jahren bis auf 30% der Bevölkerung zunehmen wird, ist sicherlich für Indien ein ganz großer Schritt. Dennoch bedeutet es immer noch, dass 70% der Bevölkerung in rückständigen Verhältnissen leben, und davor sollten auch optimistische aufstrebende Inder ihre Augen nicht verschließen…

Sayings about India…

Ich fand in den letzten Monaten einige Weisheiten über das Leben in Indien ganz treffend…

“Indien ist eine Trickkiste, die es immer wieder schafft dich zu überraschen.”

“Das Leben in Indien erfordert viel Geduld und Toleranz.”

(beides Javier Moro, Pasión India)

“Indians have the constant habit of overpromising and underperforming.”

(Manager einer indischen Bank während einer Podiumsdiskussion meiner Uni – leider in sämtlichen Lebenslagen zutreffend)

“…after some time”

(oft gehörte Antwort auf die Frage, wann genau ein gewünschtes Ereignis, vom Eintreffen eines Zuges bis zur Reperatur einer Glühbirne, eintreten würde)

“What you cannot cure you have to endure”

(ständig von meinem HR Professor gebrauchtes Sprichwort, was dazu auffordert, jeden unangenehmen Zustand - von einem unbefriedigendem Job bis zu einer unglücklichen arrangierten Hochzeit – zu ertragen 

Du weißt, dass du lange in Indien gewesen bist, wenn…

Du weißt, dass du lange in Indien gewesen bist, wenn…

1)      der Hotelboy an deiner Tür klopft, weil du deine Schuhe außen vor deinem Zimmer stehen gelassen hast
2)      du fast deinen Flug verpasst, der dich 10.000 Rupien gekostet hat, weil du mit einem Rikscha-Fahrer darüber verhandelst, ob er dich nicht für 40 statt für 60 Euro zum Flughafen fährt
3)      du nach Zucker für dein Glas Tee fragst, das schon zwei Teelöffel Zucker enthält
4)      du von Europäern darauf hingewiesen wirst, dass du mit dem Kopf wackelst
5)      du beginnst, den Anblick einer rauchenden Frau moralisch verwerflich zu finden  
 

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