Abschied nehmen von Chennai

Ich kann es kaum glauben! All meine Klausuren und Hausarbeiten liegen hinter mir, mein riesiger Rucksack liegt gepackt neben mir auf dem Rücksitz des Taxis, das mich zum Flughafen fährt. Es ist vier Uhr nachts. Ich hatte einen tollen Abschiedsabend.

Wir sind alle zusammen essen gegangen, fünfzehn liebe Kommilitonen sind mitgekommen. Zu meiner großen Überraschung überreichte mir Sathya, im Restaurant angekommen, im Namen aller einen großen Blumenstrauß. Das Panjabi Essen war köstlich und es war toll, noch einmal mit allen zu tratschen und zu lachen.

Zurück am Campus hieß es Abschied nehmen von den meisten (einige treffe ich glücklicherweise in Mumbai und Delhi wieder). Es fällt mir deutlich schwerer als letzten Dezember in Spanien. Ich hätte es niemals für möglich gehalten, dass ich in diesen zwei Monaten so zu einem Bestandteil der Klasse werden könnte. Auch für meine neuen Freunde war ich „anders, als sämtliche anderen Austauschstudenten” – wirklich Teil der MBA-Klasse.

Die Mädels in meinem Hostel haben sich alle ihren Wecker auf 3:30 Uhr gestellt, um mich noch einmal vor meiner Abfahrt in den Arm zu nehmen und mir nachzuwinken.

Jetzt, wo mein Taxi die Campus-Grenze überquert, werde ich mir bewusst, was ich da hinter mir lasse. Die wahrscheinlich intensivsten zwei Monate meines Lebens – voller Unsicherheit und Angst vor all dem Neuen, voller Begeisterung ob der Hilfsbereitschaft aller und der geknüpften Freundschaften. All die fröhlichen abendlichen Versammlungen in Hetalis Zimmer, voller Klatsch und Tratsch. All die verzweifelten Stunden mit Shilpa und Megha vor scheinbar unlösbaren Hausarbeiten. Das sich nie verändernde Kantinenessen. Die Festivals, die Ausflüge, die gemeinsamen Afternoon teas… Alles ist plötzlich vorbei. Und gerade als die Tränen zu kullern anfangen, klingelt mein Telefon. Vinayah will noch mal „Chuss” sagen (so schreibt sie Tschüss, was ich ihr beigebracht habe), Chaitu wünscht mir alles Gute. Megha smst mir, dass sie sicher ist, dass wir uns noch ganz oft wieder sehen. Keine Zeit für Traurigkeit.

Das ist Indien. Du bist niemals allein!

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