Sie befinden sich aktuell in den Archiven des Blogs Brittas Planet Blog für Januar, 2008.
| M | D | M | D | F | S | S |
|---|---|---|---|---|---|---|
| « Dez | Feb » | |||||
| 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | |
| 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 | 13 |
| 14 | 15 | 16 | 17 | 18 | 19 | 20 |
| 21 | 22 | 23 | 24 | 25 | 26 | 27 |
| 28 | 29 | 30 | 31 | |||
- Allgemein (42)
- 16.4.2008: Fotos sind da!
- 4.4.2008: Ich packe meinen Koffer und nehme mit...
- 3.4.2008: Gemischte Eindrücke einer langen Reise
- 2.4.2008: Sayings about India…
- 1.4.2008: Du weißt, dass du lange in Indien gewesen bist, wenn...
- 20.3.2008: All India Tour Part 1 (Fotos auf Brittas-Planet!)
- 12.3.2008: Von der Herausforderung, eine indische (Ehe)Frau zu sein
- 12.3.2008: Hetali’s Hochzeit
- 12.3.2008: Abschied nehmen von Chennai
- 4.3.2008: Klassenfahrt nach Kerala!
Archive für Januar 2008
Kulturdimensionen
22.1.2008 von britta.mueller.
Wer von euch hat mal eine Vorlesung über Interkulturelles Management besucht? Kommen euch die interkulturellen Studien von Hofstede bekannt vor? Erinnert ihr euch an die Kulturdimensionen von Trompenaars? Nicht? Dann kommt hier eine kleine Nachhilfestunde…
Neutralität vs Emotionalität - zeigen wir unsere Gefühle?
Ich sitze im Unterricht und verstehe kein Wort. Ich werde wahnsinnig. Alle um mich herum nicken freundlich, wenn der Lehrer was sagt. Alles scheinen alles zu verstehen. Nach dem Unterricht werde ich kräftigst bemitleidet, weil ich ja angeblich im Unterricht geweint hätte. Häää? Ich habe nur verwirrt geguckt! Inder zeigen stets die gleichen Emotionen: ausgeglichen, freundlich, gut gelaunt. Egal was ist, egal was nicht funktioniert. Keiner weiß, wie’s drinnen ausschaut…
Individualismus vs Kollektivismus - funktionieren wir in einer Gruppe oder als Individuum?
Ich bin in 2 Wochen auf einer Hochzeit eingeladen, eine Nachtzugreise von Chennai entfernt. Ich habe beschlossen, ein langes Wochenende daraus zu machen und ein Bergdorf zu besuchen. Nadiya fragt mich jetzt schon zum 3. Mal, mit wem ich fahre. Ich antworte ihr zum 3. Mal “Ich fahre allein”. Sie sagt, sie hätte bisher geglaubt, es wäre ein Witz gewesen… Inder machen einfach nichts alleine. Inder haben auch keine unabhängige Meinung - sie folgen der Mehrheit. Wer aufbegehrt, ist ein Außenseiter.
Serialität vs Parallelität: Tun wir Dinge gleichzeitig oder nacheinander?
In meinem Computational Finance Kurs gibt es 5 durchnummerierte Hausarbeiten. Sie folgen dem Unterrichtsschema. Die Abgabereihenfolge ist jedoch 2 - 1 - 4 -3 - 5… Ständig sagt mir irgendwer ich solle wieder irgendetwas neues machen - dabei habe ich noch nicht mit meiner letzten Aufgabe abgeschlossen… Das führt bei mir beizeiten zu einem unglaublich hohen Stresslevel…
Machtdistanz: Wie distanziert stehen wir Vorgesetzten, Lehrern, Eltern gegenüber?
Jeder Professor wird mit “Sir” oder “Madam” angesprochen. Und zwar in jedem Satz, bei jeder Frage. Ich komme mir ein bisschen vor wie bei der Armee. Betritt ein Professor den Raum (außerhalb des Unterrichts) so steht man höflich auf. Hält ein Externer einen Vortrag, so verliest zuvor ein Student dessen gesamte Vita. Bei einer Podiumsdiskussion, die ich besucht habe, dauerte dieses ehrwürdige Verlesen allein eine Viertelstunde…
Universalismus vs Partikularismus - Was ist wichtiger, Regeln oder Beziehungen?
Meine Freundin Nadiya beginnt gerade mit ihrer Doktorarbeit bei einem Proefssor, der sehr unstrukturiert arbeitet, bekannt für unfaire Noten ist und dafür, dass er gerne seine eigenen Aufgaben an Studenten abgibt. Da ein Bekannter von Nadiya aber bei diesem Professor promoviert hat und er außerdem aus dem gleichen Bundesstaat ist wie sie, ist es klar, das Nadiya bei ihm promoviert. Sie sagt mir: “Das ist nicht so einfach wie bei euch. Ich kann nicht einfach zu einem anderen Professor wechseln. Dann würde ich von allen schlechte Noten bekommen.”
Ich könnte alle erforschten Dimensionen mit Annekdoten füllen: Indien scheint sich überall genau am anderen Ende der Skala zu befinden als Deutschland…
Geschrieben in Allgemein | Keine Kommentare »
Indien - zukünftige Weltmacht oder ein Haufen Elend?
22.1.2008 von britta.mueller.
Vielleicht habt ihr das Bilder unseres Management-Events vom vorletzten Wochenende gesehen: Gurcharan Das, ein bekannter indischer Management Guru (Buch: “India Unbound”) hält einen Vortrag über ”Emerging India”. Die Zahlen, die er präsentiert, sind faszinierend: längst hat Indien über 1 Mrd. Einwohner und bekommt jedes Jahr 15 Millionen hinzu. Die Wirtschaft wächst kontinuierlich um 8-9%. In den nächsten Jahren wird Indien eine magische und sehnsüchtig erwartete Zahl erreichen: 30% der Bevölkerung werden zum Mittelstand zählen. Deren Konsumnachfrage kurbelt das Wirtschaftswachstum weiter an. Der neue Tata Nano, das soeben in Indien entwickelte 2500-Euro-Auto, wird die Mobilität deutlich weiter erhöhen. Mit einem nennenswerten Bevölkerungsanteil in der Mittelschicht wird sich die Politik ändern müssen, weg von Korruption und Vetternwirtschaft hin zu sozialer Gerechtigkeit und westlicher Infrastruktur. Die indische Rupie wird bis 2050 die weltweit führende Währung, indisches Englisch zur führenden Weltsprache, Indien eine führende Wirtschaftsmacht.
Wirklich? Indien überspringt einfach die industrielle Revolution und wird vom Agrarstaat durch IT, den treibenden Motor der Wirtschaft, zur zukünftigen Weltmacht?
So lange ich mein behütetes Leben hier auf dem IIT Campus führe, könnte ich diese schöne, so oft hier gepredigte Vision, glauben: Jeder hier spricht englisch, jeder kann lesen und schreiben, überall stehen PCs. Alle haben ein kleines Wohlstands-Bäuchlein, keiner muss hungern. Die Management-Ausbildung ist anspruchsvoll. Die Menschen scheinen irgendwie “besser” zu sein als im Westen: keine Exzesse, sondern Bescheidenheit. Man raucht nicht, trinkt nicht, kennt sämtliche Sagen der Veden und der Bhagavad-Gita (heilige Bücher des Hinduismus) - Spiritualität und Kapitalismus in perfekter Symbiose vereint.
Doch so gerne ich den indischen Traum vom schnellen und friedilchen wirtschaftlichen Aufschwung glauben möchte, es bleiben Zweifel.
Immer noch liegt die Alphabetisierung in der Bevölkerung erst bei 40%. 2003 wurde 20% der Bevölkerung Unterernährung bescheinigt. Auch wenn die Quote stetig sinkt, immer noch leben 30% der Bevölkerung von weniger als 1 US $ am Tag. Immer noch werden Lehrstellen an öffentlichen Schulen von mehreren Lehrern besetzt in der Hoffnung, dass wenigstens einer von ihnen zum Unterricht erscheint (dasselbe gilt für Krankenschwestern in öffentlichen Krankenhäusern).
Während meine Kommilitonen Vorlesungen über IT-Management hören, laufe ich mir mit Administrations-Zetteln die Füße wund - im IT-Land Indien schlägt Bürokratie immer noch sämtliche denkbaren Vorteile elektronischer Kommunikation.
Ich wünsche Indien alles Gute. Aber ich wünsche vor allem seiner heranwachsenden Management-Elite, dass sie vor Begeisterung und Stolz über ihre neuen Errungenschaften nicht die Augen verschließt vor den großen Herausforderungen, die ihre Generation noch meistern muss…
Geschrieben in Allgemein | Keine Kommentare »
Neue Fotos!
12.1.2008 von britta.mueller.
Neues Fotoalbum, altes Passwort (annett). Schaut euch mal mein Zimmer, meinen Campus, meine Freunde an: http://www.brittas-planet.de/3.html
Geschrieben in Allgemein | 1 Kommentar »
Ein typischer MBA-Tag in Indien
12.1.2008 von britta.mueller.
6:30 Uhr
Lautes Getöse draußen. Die Affen sind los. Mülleimer werden durchstöbert und umgeworfen, Affenmännchen jagen sich gegenseitig, das Geschrei ist groß und Schlafen unmöglich. Jetzt gibt es nur 2 Möglichkeiten: liegen bleiben und überlegen, was heute alles zu tun ist, oder aufstehen und laufen gehen. Variante 2 bedeutet: ab ins Campus-Stadion. Inder betreiben grundsätzlich Cricket als einzigen Sport – mit meinem Laufoutfit falle ich auf dem Weg zum Stadion daher immer als Exotin auf.
7:15 Uhr
Höchste Zeit, ab unter die Dusche – ab 7:30 duschen so viele, dass es kein Wasser gibt. Es gibt nur kaltes Wasser. Nicht vergessen, Klopapier mitzunehmen und bloß nicht hinsetzen auf der einzigen verfügbaren westlichen Toilette in unserem Shared Bathroom.
7:45 Uhr
Jetzt aber schnell zur Mess, unserer Frauen-Mensa. Da das Toast labberig ist und die Marmelade viel zu süß, frühstücke ich indisch: entweder Reis mit Curry oder Idlies (Reisbrot), Uttaphams (Weizenfladen) oder was es sonst, je nach Wochentag, gibt. Mit Chai, diesem köstlichen, starken, indischen Tee.
8:00 Uhr
Ab in den Unterricht. Montage und Dienstage sind besonders schlimm, da habe ich nämlich bis 19:00 Uhr Unterricht. Die Kurse dauern jeweils 2 Stunden. Langsam habe ich mich an das englisch gewöhnt. Mehr unter „Ein indischer MBA“.
12:00 Uhr
Zeit zum Wäsche waschen (mit kaltem Wasser im Eimer), Sachen zum Bügeln abgeben (2 Rps pro Teil = 4 Cent), oder versäumte Hausaufgaben für den Nachmittag nachholen.
12:40 Uhr
Ab zur Mess – ich bin schon wieder zu spät dran, um 13:00 Uhr fängt doch der Unterricht schon an! Ich esse 2-3 verschiedene Curries, Reis, indisches „Brot“ und Curd (eine Art Joghurt). Dazu ein paar Gurken- oder Tomatenstücke Bis jetzt esse ich noch mit einem Löffel. Vielleicht steige ich bald endlich auf Finger um, aber dann rieche ich den ganzen Tag nach Curry…
16:00 Uhr
Wenn ich jetzt gerade keinen Unterricht habe, sondern nach Hause gehe, sind die Affen wieder unterwegs. Wie immer in der Morgen- und Abenddämmerung
bis 19:00 Uhr
Unterricht und/oder Lernen. Ab etwa 18:00 Uhr ist es dunkel.
20:30 Uhr
Abendessen in der Mess mit den Mädels aus meiner Klasse. Es ist jedes mal tierisch laut, weil alle durcheinander reden, lachen und schreien. Ich esse so was ähnliches wie zu Mittag, aber abends gibt es jeweils auch etwas Obst.
Alkohol und Nikotin sind auf dem Campus übrigens verboten, und eine Fleischbeilage zum Essen kostet ein saftiges Extra (noch mal so viel wie das ganze Vegetarische Mittagessen – OK, sind nur 50 Cent…), habe ich mir erst einmal gegönnt. Ich lebe ja sooo gesund…
21:00 Uhr
Let’s go for a walk – oft machen wir nach dem Abendessen einen kleinen Spaziergang.
21:30 Uhr
Die Inder fangen jetzt zu „arbeiten“ an, d.h. Gruppenarbeit, Präsentationen, Hausaufgaben, Internetrecherche… Ich versuche mir das aufs Wochenende und auf die Nachmittage zu legen, weil das Klima mich immer recht schläfrig macht. Also lese und beantworte ich abends nur Mails und schaue, was es so Neues in der Welt gibt.
23:30 Uhr
Langsam wird es etwas ruhiger im Hostel. Ich mache das Licht draußen auf dem Flur aus und versuche bei immer noch über 20°C zu schlafen…
Geschrieben in Allgemein | Keine Kommentare »
Mädelsabend in Indien
4.1.2008 von britta.mueller.
Gestern Abend haben meine süßen Kommilitoninnen mit mir gemeinsam in der Mensa zu Abend gegessen. Dort gibt es jeweils Pappadum (dünnes, krispiges Fladenbrot), Roti (süßlicheres, dickeres Weizenfladenbrot) und Reis mit verschiedenen Curries, für mich sehr lecker, und zum Nachtisch eine Banane oder Curd (Büffelmilchjoghurt, der mit viel Zucker auch schmeckt). Die Mädels aus Nordindien beschweren sich darüber, dass ihnen das Essen nicht schmeckt. Ich merke den Unterschied zwischen nord- und südindischer Küche natürlich noch nicht so richtig, außer dass südindische Gerichte generell etwas schärfer, aber durchaus genießbar sind.
Nach dem Essen wollten die Mädchen sich bewegen, um Gewicht zu verlieren. Gute Idee, dachte ich, und bin mitgegangen. Es stellte sich heraus, dass wir einen Spaziergang von ca. 10 Minuten um den Sportplatz machen sollten… Sehr sportlich!
Schließlich wurde ich noch mit zu Meghna eingeladen. Sie ist mit 26 die Älteste in meinem Kurs und wird „Mate“ (Mutter) genannt. Die anderen Mädchen, auch alle sehr nett, quirlig und lustig, sind zwischen 23 und 25 und haben zum größten Teil vor dem MBA Ingenieurswissenschaften studiert. Wir saßen lange erst zu viert, dann zu siebt in Meghna’s Zimmer. Bei einer Diskussion über Unterschiede zwischen Europa und Indien kamen nach Käse schnell auf das Thema „arranged marriages“. Wer in Indien mit spätestens 26 Jahren (in der gebildeten Schicht, sonst 22) noch nicht verheiratet ist, für den suchen die Eltern einen Partner. Die Eltern der Braut zahlen viel Geld für die einwöchige Hochzeit und geben ihrer Tochter etwa einen Ausgleich für ihr Erbe mit, das sie mit der Hochzeit an ihre Brüder verliert. Gesetzlich verboten sind inzwischen sogenannte „Dowries“, hohe Auslöse-Summen, die die Eltern des Bräutigams von den Eltern der Braut erpressen. Sie kommen trotzdem in den weniger wohlhabenden Schichten noch vor, und als Druckmittel wird stets damit gedroht, den Ruf der Braut zu verderben, wenn die Eltern nicht einwilligen.
Meghna heiratet diesen Oktober einen Jungen, den ihre Eltern mit ausgesucht haben, mit dem sie sich jedoch auch gut versteht.
Ein Single-Leben ist für eine Frau in Indien keine Option… Also, liebe Eltern daheim, dann fangt mal an für mich zu suchen und zu sparen ![]()
Geschrieben in Allgemein | Keine Kommentare »
Shaking That… Head! Britta und die Inder
4.1.2008 von britta.mueller.
Wie schon berichtet, stand mir bei meiner Ankunft Madu zur Seite, um mir bei allem zu helfen. Schnell habe ich festgestellt, dass es nicht „nein“, „jein“ oder „geht so“ heißt, wenn sie mit dem Kopf wackelt. Alle Inder wiegen den Kopf von einer Seite zur anderen als sei er nicht richtig auf dem Hals befestigt, wenn sie etwas erzählen oder Fragen beantworten… Eine bestimmte Bedeutung hat das scheinbar nicht, führte jedoch schon zu meinem ersten kulturellen Missverständnis: Als ich etwas zu Essen bestellte und der Kassierer den Kopf schüttelte, dachte ich zunächst, es gäbe nichts mehr… Irrtum!
Alle hier sind äußert freundlich und hilfsbereit. Einige Episoden:
- Anmeldung beim Hostel-Management - Unterkunft und Verpflegung sollten 100 Rps am Tag kosten (etwas weniger als 2 €). Nachdem wir 3 x weiterverwiesen wurden, kamen wir endlich bei einem Herrn an, der mich registrieren konnte. Er war besorgt, dass mir die Standardverpflegung nicht schmecken könnte und empfahl mir, zunächst einmal mit vergünstigten Coupons das Essen anzutesten, um Geld zu sparen (man beachte dabei oben stehende Preise). Jetzt zahle ich nur 29 Rps pro Tag für mein Zimmer (60 Cent!!!).
- Beim Einlösen eines Mittagessens-Coupons habe ich versehentlich in der Mensa 35 statt 25 Rps abgezählt. Der Herr, der die Coupons einsammelt, kam mir bis an den Platz nachgelaufen um mir die 10 Rps (20 Cent) zurück zu geben.
- Heute regnet es in Strömen. Draußen steht alles unter Wasser. Ich habe ein vorbeikommendes Mädchen gefragt, ob sie mich unter ihrem Schirm vom Wohnheim bis zur Mensa mitnimmt. Sie ist daraufhin bis zum Rückweg nicht von meiner Seite gewichen und hat mich auch herzlich in ihr Zimmer eingeladen.
Es gibt natürlich auch weniger positive Eigenschaften der Inder, die ich mit Humor nehme und an die ich mich ganz langsam gewöhne: Madu kommt zu jeder Verabredung mindestens eine Stunde zu spät oder gar nicht. Das ist total normal. Selbst der Dekan verschläft regelmäßig. So fing sein Kurs gestern erst um 8:40 Uhr statt um 8:00 Uhr an und fiel heute ganz aus, nachdem er bis 9:00 Uhr nicht aufgetaucht war. IST steht also berechtigt nicht nur für „Indian Standard Time“ sondern auch für „Indian Stretched Time“…
Geschrieben in Allgemein | Keine Kommentare »
Chennai – alles wird gut…
2.1.2008 von britta.mueller.
Am Flughafen erwartet mich ein indischer PhD-Student, den mein betreuender Professor gesandt hat. Wir schwingen uns auf die Rückbank eines Autos, was vor 40 Jahren in London als Taxi durchgegangen wäre (allerdings in weiß) und lassen uns zur Uni fahren. Ein Wahnsinnsverkehr. Um halb neun morgens ist es noch „frisch“, wie mein Begleiter sagt – bei gefühlten 25° Außentemperatur würde ich mich trotzdem über eine Klimaanlage freuen.
In der beinahe abgeschiedenen Ruhe des Campus, der in einem Nationalpark gelegen ist, nimmt mich Madu in Empfang, Research-Studentin bei besagtem Professor. Der andere (Namen vergessen) muss mich an sie „übergeben“, da meine Herberge für die nächsten 2 Monate, ein reines Mädchen-Hostel ist, zu dem Männer unter keinen Umständen Zutritt erhalten. Es ist noch nicht geputzt – angeblich, weil ich eigentlich woanders einziehen sollte, wo jetzt aber ein Mädchen mit Gipsbein hinverlagert wurde. Wer weiß… Rasch (indisch rasch…) kommt eine Putzfee, fegt und wischt durch die ca. 12 qm, die für die nächsten 2 Monate mein Reich sind, und schon kann ich einziehen. Ich wische vorsichtshalber noch mal durch die Schränke bevor ich meine Sachen einsortiere. Die von daheim mitgebrachten Sagrotantücher sind nach jedem Realbrett schwarz…
Madu berät mich bei der Kurswahl und stellt mich dann endlich dem Ausländer-betreuenden Professor vor. Mehr zu ihm später einmal. Ich nehme nach einer durchzechten Sylvesternacht, 13 Stunden Reise und einiger Aufregung an meinen ersten Kurs teil –Financal Management. Ca. 40 Inder zwischen 20 und 30 versuchen wild durcheinander rufend die Fragen des Professors zu beantworten. Ich verzweifle an dem Englisch – nennen wir es Hinglisch oder Endu? Dass der 2. Kurs gleich mal ausfällt, ist mir ganz recht – zurück auf meinem Zimmer falle ich wie tot um und schlafe.
Heute Abend wurde dann auch meine Matratze geliefert (12 € inkl. Kopfkissen mit Bezug und Türschloss und Lieferung). Ich freue mich auf meine erste Nacht – mal schauen, ob ich es ohne den lauten Ventilator schaffe zu schlafen! Bald mehr!
Geschrieben in Allgemein | Keine Kommentare »
Ist der Weg das Ziel? Unterwegs nach Indien
2.1.2008 von britta.mueller.
Ich war seit Langem nicht mehr sooo aufgeregt, wie vor meiner Abreise nach Indien (als vergleichbar fällt mir da auch nur meine Führerscheinprüfung ein – auch schon 9 Jahre her :-o). Dank Frauke, André, Christina und Jonne habe ich in der letzten Nacht vor dem Abflug nicht darüber nach gedacht, sondern ordentlich Sylvester gefeiert. Danach ließ sich dann auch im Emirates Flug EK0050 München-Dubai gut schlafen.
Dubai hat mich aber dann aber ganz schnell wach gerüttelt. Bei 3 Stunden Aufenthalt am größten Umsteigeplatz zwischen Afrika, Asien und Europa, mitten in Arabien, prallen Welten aufeinander – einige Eindrücke:
- Drei Schwarzafrikanerinnen sitzen, bis auf die Füße weiß bedeckt inkl. weißer, kapuzenartiger Haube, im Gang und warten
- Rauchen verboten: auch in Dubai wird nur in Kabinen geraucht. Unter ca. 20 rauchende arabische Männer mischt sich eine einzige Frau (blonde Westlerin mit Ehemann)
- Hübsche arabische Frauen verdecken kurz vor Ankunft am Abflugschalter Richtung Teheran ihr glänzendes, langes, offenes schwarzes Haar mit einem stumpfen schwarzen Tuch.
- Rund um die Kaffeebars von Starbucks und Nero wird abwechselnd deutsch, niederländisch und englisch gesprochen - Indische Mütter spielen mit ihren Kleinkindern auf dem Boden vor den Gates- Einige Australier haben sich im einzigen Pub am Flughafen versammelt, dem Irish Village – lautstark, wie immer
- Ein Scheich kauft sich einen 8 GB USB-Stick, der so groß ist wie mein Daumennagel
Kontraste. Ist es das, was mich in den nächsten 3 Monaten erwartet? Erschöpft schlafe ich die letzte Flugstrecke durch.
Geschrieben in Allgemein | Keine Kommentare »
Einige Auffälligkeiten über Deutschland…
2.1.2008 von britta.mueller.
Kennt ihr das: Aus dem Urlaub nach Hause kommen und sich auf die eigene Dusche freuen? Fernab der Heimat Heißhunger auf Vollkornbrot oder Sauerkraut haben? Neben all dem, was ich bewusst in der Ferne vermisst habe, sind mir bei meinem „Deutschland-Urlaub“ über Weihnachten noch so einige positive Eigenschaften an Deutschland aufgefallen, derer wir uns im eigenen Land gar nicht so bewusst sind:
- Alle sprechen (zumindest ungefähr) die gleiche Sprache.
- Toiletten (an Raststätten, in Restaurants und Kneipen) sind größtenteils S A U B E R!
- Deutsche Kassierer/innen sind gar nicht so unfreundlich – wir dürfen sie nur nicht mit ihren amerikanischen, sondern mit ihren spanischen Kollegen vergleichen!
- Es gibt frische Milch. Und zwar nicht nur in Feinkostgeschäften!
- Die Tatsache, dass die Leute nicht ganz so modebewusst sind, wie z.B. die Spanier, hat auch gute Seiten – man fühlt sich nicht so oft underdressed.
- Es gibt mehr als 3 Sorten Bier, die noch dazu nicht alle gleich schmecken.
Natürlich gibt es auch genug Negatives (schaut euch einfach mal das Wetter auf meinen Fotos an), aber die Deutschen nörgeln im Allgemeinen schon genug, so dass ich nicht noch mit einstimmen muss.
Geschrieben in Allgemein | Keine Kommentare »